
Stern des Monats November 2026
Ada Harm ist ehrenamtliche Schiedsrichterin beim 1. FC Union Berlin
„Seit einem halben Jahr stehe ich an vielen Wochenenden auf dem Fußballplatz. Immer im schwarzen Trikot, denn ich bin Schiedsrichterin. Auf die Idee, die Schiedsrichterin-Ausbildung zu machen, hat mich ein Freund gebracht, der selbst Schiedsrichter ist. Fußball hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Ich konnte noch nicht einmal laufen, als ich das erste Mal im Stadion An der Alten Försterei war. Ich bin in einer Familie von Union-Fans aufgewachsen. Mein Onkel, meine Cousins und Cousine – alles Unioner.
Hin und wieder ein Elfmeter
Seit fünf Jahren bin ich Mitglied beim 1. FC Union Berlin. Der Verein hat auch den Schiedsrichterin-Lehrgang ermöglicht. Jeder Fußballverein ist verpflichtet, Unparteiische zu stellen. Wieviele, hängt von der Zahl seiner Mannschaften ab. Klar ist, dass ich keine Spiele von Union pfeifen darf. Eine Ansetzerin teilt den ehrenamtlichen Schiedsrichter*innen die Spiele zu. Ich pfeife in der Region Ost Spiele der D-Jugend. Das sind die 11- bis 12jährigen Jungen und Mädchen. Prinzipiell dürfte ich auch bei anderen Spielen eingesetzt werden, aber bei Jugendmannschaften sollten die Spieler*innen jünger sein als ich. Das hat vor allem mit Respekt zu tun. Und mit Autorität. Die verschafft man sich als Schiedsrichterin, wenn man zu seinen Entscheidungen steht. Es gibt schon mal schwierige Situationen, wenn zum Beispiel nicht hundertprozentig eindeutig ist, ob der Ball im Tor war oder wenn hinter meinem Rücken jemand gefoult wird. Auch dann muss ich zu meiner Entscheidung stehen und sicher auftreten. Aber bei der D-Jugend geht es meist noch fair zu und es gibt wenig ahndungswürdige Fouls. Das meiste lässt sich mit Freistößen regeln oder mal mit einem Elfmeter.
Fußball-Liebe, Lob und ein bisschen Gemecker
Gemecker gibt es bei den Kindern kaum, eher bei den Eltern oder den Trainern. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass sich Trainer nach dem Spiel bei mir bedankt und meine Leistung gelobt haben. Das stärkt mein Selbstbewusstsein und gibt mir auch mehr Selbstsicherheit. Es macht mir Spaß, mit Kindern auf dem Platz zu stehen, die den Fußball lieben und dabei viele neue Erfahrungen zu sammeln. Ich sehe jetzt Fußballspiele im Fernsehen mit anderen Augen, achte dabei mehr auf die Schiedsrichter. Auch wenn ich bei Union im Stadion bin. An den Heimspieltagen habe ich schiedsrichterfrei. Das ist übrigens ein schöner Nebeneffekt meiner freiwilligen Tätigkeit: Ich kann mir kostenlos jedes Fußballspiel ansehen, auch in der Bundesliga. Allerdings habe ich kaum Zeit dafür. Jetzt kommen bald die Abiturprüfungen, danach plane ich ein Freiwilliges Soziales Jahr und ein Studium. Als Schiedsrichterin möchte ich aber auch dann noch auf dem Platz stehen.“
Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté


