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Dabei sein ist alles: 72 Sportler:innen, 15 Disziplinen und viele Pokale

Bevor es richtig losgeht, kommen alle ins Schwitzen. Eine Vorturnerin vom Friedrichshagener SV 1912 hilft uns auf die Sprünge. Hüpfen, Schwingen, Dehnen, Ausfallschritt vor, zurück, zur Seite. Nicht nur für die Aktiven, auch für die Veranstalter, die Helfer, die Zuschauer. „Lasst die Spiele beginnen“ hatte Moderator Steffen Sambill vom Landessportbund verkündet und damit die Olympiade 60+ gemeint. Die Fahnen von Treptow-Köpenick waren hereingetragen worden. Und die von Cajamarca, der Partnerstadt im fernen Peru. Dort war die Seniorenolympiade „erfunden“ worden, dort fand sie auch zeitgleich statt. In Treptow-Köpenick zum vierten Mal. Bei der erste Olympiade 60+ gingen 37 Sportler und Sportlerinnen an den Start, diesmal sind es mit 72 fast doppelt so viele. In der Sporthalle vom Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Union an der Hämmerlingstraße geht es nicht um „Schneller, Höher, Weiter“, eher um Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und auch um Gedächtnistraining. 15 Stationen stehen auf dem Programm, von Gummistiefel-Weitwurf über Schlängellauf, Steppbrett, Dreier Hop, Büchsenwerfen, Seilspringen, Ruderergometer bis hin zum Polizei-Quiz und Memory. Zehn Punkte können maximal erreicht werden. Über die Ergebnisse wachen Schüler und Schülerinnen der Evangelischen Schule Köpenick. Sie sind schon zum dritten Mal als Wettkampfrichter dabei. Für viele Aktive ist es der erste Start bei der Seniorenolympiade. So wie für Heiko Fröhlich, 76, der sein Leben lang Sport getrieben hat und nach schweren Krankheiten wieder fit werden und bleiben will. Auch Hartmut Gröpler, 69, setzt mit Joggen, Walken und Radfahren seine Reha nach einem Schlaganfall fort und ist schon zum zweiten Mal bei Olympia 60+ dabei. Vor allem Frauen treiben häufiger Sport in Gemeinschaft, so scheint mir. Margit Birk, der man die 83 Jahre nicht ansieht, macht Gymnastik in ihrem Johannisthaler Sportverein. Und Hildegard Gent ist fast mit der kompletten Trainingsgruppe aus der Villa offensiv am Start. Mit ihren Ergebnissen ist sie sehr zufrieden. Fast immer zehn Punkte, nur auf dem Ruderergometer hat sie lediglich acht Punkte geschafft, das ärgert sie. Auch wenn es hier um den olympischen Gedanken geht, wonach dabei sein alles ist, gehen alle mit großem Engagement, manche mit Siegeswillen in den Wettkampf. Für die besten gibt es Pokale in Gold, Silber und Bronze. Als Bezirksbürgermeister Oliver Igel die Sieger ehrt, ist Hildegard Gent dabei. Sie hat es auf den zweiten Platz geschafft, damit hatte sie nicht gerechnet. Im nächsten Jahr will sie auf alle Fälle wieder mitmachen, so wie viele hier in der Halle. Dann wird die 5. Olympiade 60+ wieder im Rahmen der Seniorenwoche stattfinden. Ob sich dann in Berlin Nachahmer finden? Bislang gibt es die Seniorenolympiade nur in Treptow-Köpenick. Aber der Bezirk ist ja in vielen Dingen Vorreiter. Und stolz darauf.

Autorin und Foto: Claudia Berlin (Oktober 2022)

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