Labradorhündin Chanel blickt den Betrachter an

Labradorhündin Chanel

Lesedauer: 4 Minuten

„Eines der schönsten Ehrenämter“

Zu Gast bei Hundepaten auf Zeit

Chanel riecht super gut. Lebhaft schnuppert uns der Welpe entgegen. Im Frühling 2023 zog die Labrador-Hündin bei Anne Preuß und Hans-Joachim Kallies in Wendenschloss ein. Längst hat sie einen Stammplatz, Spielfreunde im Kiez und lebt mit den Katzen des Hauses in friedlicher Koexistenz. Familie Kallies-Preuß betreut das Tier mit viel Liebe und Konsequenz – und auf Zeit. Denn wenn Chanel dafür geeignet ist, soll sie Blindenführhund werden.

Testlauf mit einem Welpen?

Aus dem Köpenicker „Wochenblatt“ erfuhr das Rentner-Ehepaar, dass die deutschlandweit einzigartige Stiftung Deutsche Schule für Blindenführhunde in Müggelheim für junge Labradore aus ihrer Zucht Paten suchte. Spannend – und für eine gute Sache!, sagten sie sich. Nur Erfahrung fehlte. „Für einen Hund blieb früher keine Zeit“, erklärt Anne Preuß. Sie war eingespannt als Physiotherapeutin, er unterwegs als Aufzugmonteur. Doch die Idee hatte bei beiden gezündet, sie ließen sich von den Fachleuten in Müggelheim informieren. „Am Ende beruhigte uns, dass man jederzeit erfahrene Hundetrainer fragen kann. Auch der begrenzte Zeitraum war ein Plus“, ergänzt ihr Mann. Jeder Welpe bleibt Eigentum der Stiftung, die im Gegenzug Futter- und Tierarztkosten trägt.

Pfützchen und unruhige Nächte

Kurz darauf veränderte Chanel den Alltag der Hundepaten. Anfangs-Pfützchen, unruhige Nächte und Kräfte-Messen mit Herrchen sind längst vergessen. „Das ist wohl eines der schönsten Ehrenämter“, schwärmt Anne Preuß. „Wir haben wirklich Spaß dabei.“
Ihr „Labi“ fügt sich gut in die Familie ein, trainiert zweimal pro Woche in der Hundeschule und befolgt die üblichen Kommandos. Dazu hat die Hündin bereits Spezialwissen: Sie läuft immer links von Frauchen oder Herrchen, schnüffelt wirklich nur, wenn die Leine langgestellt ist, signalisiert Treppenstufen oder Bordsteinkanten. Erste Kenntnisse, um künftig blinde oder sehschwache Menschen zu unterstützen.

Etwas Prüfungsangst

Ob Chanel ein Blindenführhund wird, entscheiden in Kürze zwei Prüfungen. Die Anforderungen sind sehr hoch, nur kerngesunde und wesensfeste Vierbeiner können zu verlässlichen Begleitern für blinde bzw. sehbehinderte Menschen ausgebildet werden. Nicht alle Hunde schaffen diese Prüfung, können aber als Assistenzhund Karriere machen, etwa in einem Seniorenheim. Beides bedeutet Abschied von der Patenfamilie. „Das wissen wir von Anfang an, aber es würde doch mächtig wehtun“, gibt Anne Preuß zu. Falls Chanel nicht für diese Aufgaben infrage kommt, könnte sie als Familienhund bleiben.

Mehr über die Arbeit der Stiftung Deutsche Schule für Blindenführhunde unter www.fuehrhundschule.de

Text: Claudia Korte
Fotos: Thomas Benz

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