
Ekaterina Brendgens organisiert regelmäßig ein Frühstück für Alleinerziehende in Friedrichshagen
Stephanus vor Ort Friedrichshagen ist mit vielfältigen Angeboten eine wichtige Anlaufstelle für Familien, Alleinerziehende, Kinder, Geflüchtete und für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Eine von ihnen ist Ekaterina Brendgens. Nach der Trennung von ihrem Partner suchte sie zunächst selbst Unterstützung im Familienzentrum. Heute, zwei Jahre später, organisiert sie in den Räumen am Müggelseedamm regelmäßig ein Frühstück für Alleinerziehende.
Frau Brendgens stammt aus Russland und wuchs in Moskau auf. Dort promovierte sie im Fach Geographie, bevor sie vor gut 20 Jahren nach Berlin zog, um wissenschaftlich zu arbeiten. Schon ihre Familie hatte eine enge Verbindung zur Stadt: Ende des 19. Jahrhunderts kam ihr Urgroßvater hierher zum Chemiestudium, in den 1960er Jahren war ihr Großvater in Brandenburg an der Havel als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Stahlproduktion tätig. Die Fotos, die er damals in Berlin machte, hingen später in der elterlichen Wohnung – und prägten Ekaterina Brendgens schon als kleines Mädchen.
Frau Brendgens, wie sind Sie erstmals mit dem Familienzentrum im Stephanus vor Ort Friedrichshagen in Kontakt gekommen, und in welcher Weise hat Ihnen dieser Ort damals geholfen?
Ich erinnere mich sehr gut, denn mein erster Kontakt mit der Beratung für Alleinerziehende hing eng mit meiner Trennungssituation zusammen. In dieser Zeit suchte ich nach Unterstützung und wandte mich zunächst – noch gemeinsam mit meinem Mann – an verschiedene Familienberatungsstellen in der Umgebung. Dort fühlte ich mich jedoch nicht wirklich verstanden – oft hatte ich den Eindruck, meinem Mann gegenüber nicht als gleichberechtigt wahrgenommen zu werden.
Dann drückte mir eine Bekannte einen Flyer der Anlaufstelle für Alleinerziehende in die Hand und empfahl mir, weil sie sich dort selbst bereits sehr gut betreut gefühlt hatte, mich dorthin zu wenden. Dieser Hinweis hat mein Leben positiv verändert.
Bereits nach meinem ersten Besuch im Familienzentrum Friedrichshagen hatte ich nicht mehr das Gefühl, meiner schwierigen Familiensituation allein und hilflos gegenüberzustehen. Im Beratungsgespräch mit Frau Moser erhielt ich nicht nur Antworten auf meine Fragen, sondern auch ganz praktische Tipps für meine persönliche Situation. Schon nach diesem Termin spürte ich: Hier werde ich professionell und objektiv beraten – und ich bin mit meinen Problemen nicht allein.
Kurz darauf nahm ich auch am Stammtisch für Alleinerziehende teil. Dort trafen wir uns einmal im Monat, tauschten Sorgen, Fragen, Informationen und persönliche Erfahrungen aus. Dieser Austausch – sowohl mit den anderen Eltern als auch mit der Sozialmitarbeiterin – war für mich eine enorme Unterstützung und hat mir sehr geholfen, wieder Halt zu finden.
Sie organisieren regelmäßig ein Frühstück für alleinerziehende Mütter und Väter – wie genau läuft so ein Vormittag ab?
Mein Samstagmorgen am Tag des Alleinerziehendenfrühstücks beginnt früh. Damit wir frische Lebensmittel haben, gehe ich am selben Tag einkaufen und fahre anschließend ins Familienzentrum. Bis 10 Uhr muss alles vorbereitet sein – dann treffen die ersten Familien ein.
Väter sind bei uns herzlich willkommen, aber sie sind eher die Ausnahme; meist bleiben wir Frauen unter uns. Das Frühstück dauert bis 14 Uhr. In dieser Zeit tauschen wir Neuigkeiten und Erfahrungen aus, sprechen über Sorgen, aber auch über schöne Momente.
Die Kinder sitzen natürlich nicht lange still am Tisch. Sie spielen währenddessen im Nebenraum, der viel Platz und eine große Auswahl an Spielzeug bietet. Beim Aufräumen packen die anderen Mütter und auch die Kinder mit an – wir sind dabei ein richtig eingespieltes Team.
Was ist Ihnen bei der Vorbereitung und Gestaltung dieses Frühstücks besonders wichtig?
Mir sind die Details wichtig – jene Kleinigkeiten, die allen Beteiligten den Samstagvormittag verschönern. Ich weiß zum Beispiel, welche Bäckerei unsere Besucher bevorzugen, und hole dort die Brötchen fürs Frühstück. Ich achte darauf, dass frisches Obst oder Beeren auf dem Tisch stehen, weil sie bei uns besonders beliebt sind. Auch die Vorlieben der Kinder merke ich mir – etwa bei Milchprodukten – und stimme das Frühstücksangebot entsprechend darauf ab.
Da für das Frühstück keine Anmeldung notwendig ist und ich mir deshalb nicht sicher sein kann, wie viele Gäste ich bewirte, ist die Beschaffung der Lebensmittel schon eine Herausforderung.
Wie erleben Sie die Atmosphäre während dieser Treffen? Was sagen die Eltern über das Angebot?
Wir haben unsere „Stammmütter“, die jeden Monat dabei sind. Viele von ihnen engagieren sich auch in anderen Projekten von Stephanus vor Ort und kennen sich bereits gut. Das schafft beim Frühstück eine vertraute, herzliche Atmosphäre – für mich fühlt es sich fast wie in einer Familie an.
Genauso wichtig ist uns, dass neue alleinerziehende Mütter und ihre Kinder jederzeit willkommen sind. Immer wieder stoßen starke, sympathische Frauen zu unserer Runde, die das Miteinander bereichern.
Das Echo ist durchweg positiv: Viele Alleinerziehende sind im Alltag stark belastet und genießen es, bei uns einfach einmal an einem gedeckten Tisch Platz zu nehmen, ins Gespräch zu kommen und die Erfahrung zu teilen, nicht allein zu sein.
Wann und warum kam bei Ihnen der Wunsch auf, aktiv zu werden und das Familienzentrum zu unterstützen?
Ich war dankbar dafür, dass ich einen Ort gefunden hatte, der mir in meiner Veränderungsphase geholfen hat und an dem ich mich wohlgefühlt habe. Deshalb habe ich sofort entschieden mich zu engagieren, als ich davon erfuhr, dass das Familienzentrum Friedrichshagen Ehrenamtliche sucht.
Was bedeutet Ihnen das Familienzentrum heute – auch über Ihre ehrenamtliche Tätigkeit hinaus?
Für mich ist das ein Ort, an dem ich gelernt habe, mein Leben mit zwei Kindern als getrennt erziehende Mutter besser zu organisieren. Hier bekomme ich jederzeit fachliche Unterstützung und habe zugleich die Möglichkeit, mich persönlich weiterzuentwickeln – sei es durch meine ehrenamtliche Tätigkeit oder durch spannende Projekte, die das Familienzentrum anbietet.
Gibt es eine besondere Begegnung oder ein Erlebnis im Rahmen Ihres Engagements, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Mutter, die ihr Baby während des Frühstücks immer wieder im Nebenraum stillen musste. Ich bot ihr an, das Frühstück auf das Sofa zu bringen, wo sie mit dem Kind saß – und sie nahm es dankbar an. Sie sagte, an so viel Zuwendung sei sie gar nicht mehr gewöhnt, zu Hause sei sie ganz auf sich allein gestellt.
Das hat mich sehr berührt. Stillende Mütter befinden sich in einer sensiblen und oft herausfordernden Lebensphase. Stillen ist zwar etwas Natürliches, doch diese Zeit ist sowohl emotional als auch körperlich sehr anspruchsvoll. Gerade dann brauchen Frauen viel Verständnis, Nähe und Unterstützung – von der Familie, von Freund*innen und vom Umfeld. Umso trauriger ist es, dass viele diese Unterstützung nicht erfahren.
Was motiviert Sie, dieses Engagement regelmäßig fortzuführen und inwiefern prägt Sie dabei Ihre eigene Geschichte?
An erster Stelle motiviert mich meine Empathie für Alleinerziehende – geprägt durch meine eigene Familiensituation. Ich bin zwar nicht vollständig „allein alleinerziehend“, sondern lebe in einem Modell des Getrennt-Erziehens: Der Vater meiner Kinder ist regelmäßig in die Betreuung eingebunden. Trotzdem kenne ich viele der Herausforderungen, mit denen alleinerziehende Mütter täglich konfrontiert sind. Gerade dieser persönliche Bezug gibt mir die Kraft und Motivation, mich für andere einzusetzen.
Natürlich bin ich in meiner eigenen Situation oft müde und sehne mich nach Ruhe – ein Gefühl, das viele Alleinerziehende oder Getrennt-Erziehende kennen. Doch der Gedanke, durch mein Engagement etwas Positives bewirken zu können, gibt mir Energie. Es stärkt mich zu wissen, dass ich anderen in ähnlichen oder sogar noch schwierigeren Lebenslagen ein Stück Unterstützung und Verständnis schenken kann. Genau das motiviert mich, weiterzumachen.
Was gibt Ihnen das Engagement persönlich zurück?
Ich bin von Natur aus ein gastfreundlicher und kontaktfreudiger Mensch – diese Eigenschaften kann ich in mein ehrenamtliches Engagement einbringen. Das erfüllt mich und gibt mir das gute Gefühl, mit meiner Persönlichkeit etwas Positives bewirken zu können.
Soziales Miteinander ist mir im Leben sehr wichtig. Umso schöner ist es, dass ich aktiv dazu beitragen kann.
Gibt es Eigenschaften oder Fähigkeiten, die Sie durch das Ehrenamt neu an sich entdeckt oder weiterentwickelt haben?
Ich würde sagen, dass ich in den vergangenen zwei Jahren meine soziale Kompetenz und meine Toleranz gegenüber anderen Menschen spürbar weiterentwickelt habe.
Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, sich ebenfalls freiwillig zu engagieren?
Allen, die überlegen, sich ehrenamtlich zu engagieren, kann ich nur sagen: Ich habe diese Entscheidung nie bereut – im Gegenteil. Sie gehört zu den besten meines Lebens. Denn dieses Engagement schenkt mir das Wertvollste, was es gibt: menschliche Begegnungen und ehrliche Kommunikation.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – für Ihr Ehrenamt, das Familienzentrum oder das gesellschaftliche Miteinander allgemein – welche wären das?
Dem Familienzentrum wünsche ich die gesellschaftliche und politische Anerkennung, die es für seine wertvolle Arbeit verdient – denn von der Unterstützung, die Eltern hier erfahren, profitieren letztlich auch ihre Kinder und damit die kommende Generation.
Mein zweiter Wunsch ist, dass das Frühstücksprojekt für Alleinerziehende auch im kommenden Jahr fortgeführt werden kann – denn leider hängt dieses Angebot immer von der Finanzierung ab.
Und für die Menschheit insgesamt wünsche ich mir, dass wir – ungeachtet politischer Einflüsse – einfach Menschen bleiben: freundlich zueinander, respektvoll und verständnisvoll im Umgang miteinander.
Frau Brendgens, herzlichen Dank für dieses Gespräch!
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Das Gespräch führte Stephan Schulte, das Foto machte Thomas Benz.

