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Juni 2018

„Mein erstes Lesepatenkind ist jetzt 17-jähriger Azubi”

Helga Probst engagiert sich als Lesepatin und Betreuerin

„Zwei Ehrenämter zu haben, ist sicher nichts Besonderes. Aber eine solche Kombination wie bei mir dürfte doch selten sein. Ich kümmere mich nämlich ehrenamtlich um Menschen, zwischen denen nahezu hundert Jahre liegen: als Betreuerin um eine 107-jährige Frau und als Lesepatin um Kinder im Grundschulalter. Zu diesen Ehrenämtern bin ich gekommen, als ich nach langer Berufstätigkeit noch etwas Sinnvolles tun wollte. Im Rathaus Köpenick fand ich eine Broschüre, die über Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige informierte. So kam ich zur Seniorenbetreuung und zu Else Taschke, die damals – mit knapp 100 Jahren – noch allein in ihrer Wohnung lebte. Mittlerweile ist sie in ein Seniorenheim gezogen, aber nach wie vor besuche ich sie jede Woche. Ihre Freundinnen und Bekannten leben nicht mehr, ihre 85-jährige Tochter wohnt in Dresden und kann nur selten kommen. So bin ich seit mehr als acht Jahren ihr Draht nach draußen. Genauso lange arbeite ich in der Amtsfeld-Grundschule als Lesepatin. Ich wäre gern Lehrerin geworden, das hat sich nicht ergeben. So kann ich jetzt mein pädagogisches Talent nutzen. Ich bin immer drei Jahre lang – vom zweiten bis zum Ende des vierten Schuljahres – mit zwei Klassen zusammen. Da entsteht eine enge Bindung und ein gutes Vertrauensverhältnis. Ich übe mit jeweils drei oder vier Kindern, die Defizite im Lesen haben. Nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Da können sich die Kinder besser konzentrieren und ich erkenne, wo ihre Schwächen liegen. Anschließend gebe ich den Lehrer_innen ein Feedback. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich entwickeln und Freude am Lesen finden. Eines meiner ersten Lesepatenkinder habe ich neulich im Supermarkt getroffen. Als 17-jährigen Azubi. Ich habe gefragt, ob ich ihn überhaupt noch duzen darf. Ich durfte. Er hat sich gefreut mich zu sehen und sich dafür bedankt, dass ich ihm geholfen habe. Das ist so ein schöner Lohn für diese ehrenamtliche Arbeit.“

Kontakt: Amtsfeld-Schule, Pablo-Neruda-Straße 8, 12559 Berlin, Tel. 6540192, Email: amtsfeld-grundschule@t-online.de

Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin
Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté

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