
Stern des Monats Juni 2026
„Hört ihr die Glocken, macht euch auf die Socken“: Katja Schulze-Unterberg organisiert „Après Church“, die Konzertreihe ohne Bezahlschranke
„2016 haben mein Mann Tobias Unterberg und ich gemeinsam mit Gleichgesinnten den KunstHofKöpenick e.V. gegründet. Zwei Jahre zuvor waren wir nach Köpenick gezogen und haben durch einen Freund den Weinhändler Jens Schliwa kennengelernt. Gemeinsam kamen wir auf die Idee, aus dem Hof neben seiner Weinhandlung einen Begegnungsort für die Nachbarschaft zu machen, so entstand der gemeinnützige Verein.
Begegnungsort für die Nachbarschaft
Da mein Mann und ich im Kulturbereich zu Hause sind – Tobias ist Musiker, ich konzipiere Soundtechnik – entstand schnell die Idee einer Konzertreihe ohne Bezahlschranke. Wir haben sie Après Church genannt, weil wir am Sonntag um 11.30 Uhr starten, wenn nebenan in der Kirche der Gottesdienst vorbei ist und die Glocken verklingen. Jetzt, wo die Kirche saniert wird, singen wir alle gemeinsam mal „Bruder Jakob“, meist aber unsere KunstHofKöpenick Hymne „Hört ihr die Glocken, macht euch auf die Socken“, von Ellis Enkel für uns geschrieben.
Schon ab 9 Uhr haben Vereinsmitglieder Tische, Stühle und Sonnenschirme aufgestellt, die Technik installiert, den Tresen bestückt und die Gläser poliert. Mittlerweile hat unser Verein 81 Mitglieder, 48 gehören zum aktiven Kern und alle sind mit Herzblut dabei. Das spüren unsere Gäste. Der Hof ist immer gut besucht, viele finden nur noch einen Stehplatz. Sie kommen wegen der Musik, aber auch wegen der Begegnung mit anderen.
Musik verbindet
Wir haben viele Stammgäste, auf dem Hof sind schon Freundschaften entstanden. Und auch die Musiker kommen gern wieder. Für sie ist es eher ungewöhnlich, an einem Sonntagvormittag aufzutreten, aber so müssen sie keine Abendtermine absagen. Wir fördern vor allem Musiker mit ihren eigenen Projekten, nur selten gibt es Coverversionen bekannter Stücke. Wir achten auf einen Mix bei den Genres und geben mit unserer Rubrik Startrampe auch jungen, noch unbekannten Musikern eine Chance. Am Konzertende wird gesammelt, das Geld bekommen die Musiker.
Von Mitte April bis Mitte Oktober gibt es Après Church, das sind sechs Monate intensive Arbeit. Tobias und ich ergänzen uns. Er ist der künstlerische Leiter, ich kümmere mich mehr um Organisation und Technik und als Vereinsvorsitzende vor allem um unsere Vereinsmitglieder. Für mich ist der KunstHofKöpenick mein Herzensprojekt an einem wunderschönen Ort. Ich liebe es einfach.“
Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté

