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Mai 2020

“Wir Menschen brauchen auch das Spirituelle”

Peter Gamroth hilft Menschen am Rand der Gesellschaft

„Eigentlich kann ich mit dem Begriff Ehrenamt nicht viel anfangen. Ich sehe das, was ich mache, nicht als Amt, sondern als meine Berufung. Seit 25 Jahren kümmere ich mich um Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben und jemanden brauchen, der ihnen zuhört und ihnen Mut macht. Dazu gekommen bin ich durch einen Schicksalsschlag, der mich hart getroffen hat. Mein Sohn war drogenabhängig und es war lange nicht klar, ob er die Sucht überleben würde. Ich habe damals Hilfe gesucht und sie in einer Gemeinde der Freien Evangelischen Kirche gefunden. Ich war zuvor nicht gläubig, habe damals aber angefangen, zu Gott zu beten. Das hat mir Zuversicht und Kraft gegeben und das wollte ich gern mit anderen teilen. So kam ich zum Haus Hebron. Hier leben von Wohnungsnot betroffene Menschen, die außerdem pflegebedürftig oder gesundheitlich beeinträchtigt sind. Zweimal in der Woche bin ich da. Wegen der Corona-Krise halten wir zurzeit natürlich den notwendigen Abstand voneinander, meistens reden wir jetzt im Garten miteinander. Ich spreche mit den Menschen über ihre Sorgen und Nöte und auch über meinen Glauben, der mir in schwerer Zeit geholfen hat. Das will nicht jeder hören, aber manchem hilft es. Auch Bewohner, die mit Gott nichts anfangen können, bitten mich oft um ein Gespräch, weil sie jemanden zum Reden brauchen. Ich unterstütze die Bewohner aber auch in ganz praktischen Dingen, begleite sie zum Beispiel zu Ärzten. Lange habe ich mich auch um eine demenzkranke Nachbarin gekümmert. Und ich gehe ins Hospiz und in Pflegeheime und kümmere mich um Sterbenskranke. In einem Hospiz in Tempelhof habe ich einen Polen beim Sterben begleitet. Er wollte mit jemandem in seiner Muttersprache sprechen und da ich in der Nähe von Breslau geboren und aufgewachsen bin, konnte ich das. Ich sehe mich nicht als Sozialarbeiter. Sie sind vor allem für das Praktische zuständig, ich für das Spirituelle. Das brauchen wir Menschen auch.“
Weitere Infos: www.haus-hebron.de, Telefon (030) 2000 3800

Text: Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Luisa Clauß

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