Stern des Monats Oktober 2025

„Ich leite ehrenamtlich einen Deutschkurs für ukrainische Senioren“

Oksana Hryb, selbst vor dem Krieg aus Odessa geflüchtet, gibt in Friedrichshagen ehrenamtlich Deutschunterricht

„Seit gut einem Jahr leite ich ehrenamtlich einen Deutschkurs für ukrainische Senioren. Zweimal in der Woche bin ich dafür im Kiezklub Vital in Friedrichshagen. Ich selbst stamme aus Odessa und bin nach dem russischen Überfall auf die Ukraine mit meinen beiden Kindern nach Deutschland gekommen. Ich hatte dort ein perfektes Leben: eine Arbeit als Englischlehrerin, mein Sohn war im besten Gymnasium. Wie viele andere Ukrainer war ich überzeugt, dass der Krieg schnell vorbei ist und wir wieder nach Hause können. Ein Irrtum.

Von Odessa nach Friedrichshagen

Ich habe dann Deutschkurse belegt und im Mai C1 geschafft, fast das höchste Sprachniveau, das man erreichen kann. Jetzt helfe ich also ukrainischen Senioren, sich hier zurechtzufinden. Für sie gibt es keine Sprachkurse und auch keine Integrationskurse. Viele von ihnen haben Angst, etwas falsch zu sagen, sich falsch zu verhalten. Im Kurs sind rund zehn Senioren. Manche haben sich überfordert gefühlt und nach kurzer Zeit aufgegeben. Die jetzt noch dabei sind, sind sehr engagiert. Sie korrigieren sich gegenseitig und berichten mir stolz, wenn sie im Café problemlos auf deutsch bestellt haben.

„Ich würde gern als Lehrerin arbeiten“

Meine Mutter ist auch im Kurs. Ich rede sie aber nicht mit Mama an, sondern mit Olena. Da bin ich nicht die Tochter, sondern die Lehrerin. Als solche würde ich gern in Deutschland arbeiten. Ich habe auch ein Diplom als Grundschullehrerin und mein C1-Abschluss befähigt mich. Bis jetzt hat man mir aber immer nur ehrenamtliche Arbeit angeboten. Die mache ich auch gern, habe in der Kita Pfeffermäuse Kinder betreut. Aber ich würde gern weg vom Jobcenter und selbst für mich und meine Kinder sorgen. Sie gehen ins Gymnasium und in die Grundschule und sprechen mittlerweile fast besser deutsch als ukrainisch. Auch wenn es mit einem Job klappen sollte, würde ich gern die Senioren weiter unterrichten. Das ist eine ehrenamtliche Arbeit, die wichtig ist. Für sie und auch für mich.“

Kontakt

Kiezklub Vital Friedrichshagen

Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté

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