
Stern des Monats Mai 2026
„Für mich weitet sich der Blick über den Tellerrand“: Julia Grübel engagiert sich im Sprachcafé
Donnerstagabend habe ich einen festen Termin. Da treffe ich mich im Sprachcafé mit Geflüchteten, die ihr Deutsch verbessern wollen. Vor zwei Jahren habe ich das Sprachcafé selbst gegründet. Ich studiere Sprachwissenschaften, gebe nebenbei Förderunterricht in Deutsch und Englisch an zwei Grundschulen und habe auch schon ein Praktikum an einer Sprachschule gemacht. Ich weiß, wie wichtig Sprache für das Leben der Menschen ist. Erst recht, wenn es nicht die Muttersprache ist und sie sich in einem fremden Land zurechtfinden müssen.
Keine Angst vor Fehlern
Sprachkurse für Geflüchtete sind wichtig, aber nur die Basis. Im Sprachcafé können sie ohne Druck und Angst vor Fehlern mit anderen ins Gespräch kommen. Als ich die Idee zum Sprachcafé hatte, habe ich nach einem geeigneten Ort gesucht und ihn im Kiezklub in der Salvador-Allende-Straße gefunden. Der Kiezklub liegt im Erdgeschoss einer Geflüchtetenunterkunft, trotzdem hat es gedauert, bis sich das Sprachcafé rumgesprochen hat. Die Geflüchteten haben den Kiezklub als Begegnungsstätte für die Nachbarn gesehen, nicht für sich. Mittlerweile kommen zehn bis 15 Menschen ins Sprachcafé, dazu drei bis vier deutsche Muttersprachler und Muttersprachlerinnen. Wir sitzen in kleinen Gruppen an mehreren Tischen und reden über Alltägliches wie das Essen, das ist immer ein guter Einstieg.
Sinn und Dankbarkeit
Viele Geflüchtete möchten nicht über ihr Land oder ihre Geschichte sprechen, weil das oft mit Leid und Trauer verbunden ist. Da müssen wir sensibel sein und auch kulturelle Besonderheiten beachten. Die geflüchteten Menschen sind dankbar für unsere Unterstützung, für uns weitet sich der Blick über den Tellerrand. Ich bin sehr froh, dass ich die Idee mit dem Sprachcafé hatte. Auch weil ich meine Erkenntnisse als Sprachlehrerin mit anderen teilen kann. Für mich fühlt es sich an wie die wichtigste Sache, die ich gerade mache.
Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté

