
Stern des Monats Dezember 2025
„Zuhören, miteinander reden – oder einfach nur die Hand halten“
Jana Icke besucht Patienten in den DRK Kliniken Berlin Köpenick
„Ich bin Zeitschenkerin. Ich finde, das ist ein sehr schöner Name für mein Ehrenamt. Gefunden habe ich es über das STERNENFISCHER Freiwilligenzentrum, als mir im Homeoffice der Kontakt zu anderen Menschen fehlte und ich nach einer ehrenamtlichen Betätigung als Ausgleich suchte.
Weitblick über Köpenick
Seitdem besuche ich Menschen, die Patienten in den DRK Kliniken Berlin Köpenick sind. Ich bin meist auf der Station für Innere Medizin im Einsatz. Dort liegen etwa 30 Männer und Frauen. Die Station befindet sich in der 9. Etage mit einem tollen Blick über Köpenick. Das ist ein Anknüpfungspunkt, wenn ich neu in ein Krankenzimmer komme und nachdem ich mich vorgestellt habe. Ich frage nicht, wie es den Patienten geht. Viele mögen gar nicht über ihre Krankheiten sprechen. Sie erzählen aus ihrem Leben, von ihrem Beruf, ihren Familien. Einige sind einsam, weil sie keine Familie mehr haben oder keinen Besuch bekommen. Andere reden einfach gern. Und dann gibt es auch Patienten, die das Pflegepersonal sehr beanspruchen. Da bin ich für kurze Zeit eine Entlastung für die Krankenschwestern und Pfleger.
Erinnerungen an schöne Zeiten
Ich bin einmal in der Woche für anderthalb bis drei Stunden auf der Station. Am Vormittag melde ich mich an und die Frühschicht sucht die Patienten aus, die ich besuchen könnte. Meist bin ich bei zwei Patienten, ich habe aber auch schon drei Stunden bei einer Patientin am Bett gesessen. Ich lerne viele interessante Menschen mit ihren Lebensgeschichten kennen. Manchmal halte ich nur ihre Hand oder helfe ihnen, sich an schöne Zeiten zu erinnern, wenn sie frustriert sind, weil sie nicht mehr alles können. Eine ältere Frau fragte mich bei einem Besuch mehrmals, warum ich das mache. Später sagte sie: Seit Sie da sind, habe ich keine Schmerzen mehr. Jetzt weiß ich, warum Sie das machen. Es sind auch solche Sätze, die mich glücklich machen und mir zeigen, wie sinnvoll mein Ehrenamt ist. Ich bin mit ganzem Herzen Zeitschenkerin.“
Text: STERNENFISCHER/Claudia Berlin, Foto: STERNENFISCHER/Reginald Gramatté

